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Sprache ist mehr als nur ein semantischer Container

Du liest einen Text. Der Inhalt ist korrekt und verständlich formuliert. Du verstehst die Aussage. Dein Verstand sagt: «Ich verstehe». Dein Gefühl sagt: «Irgendetwas stimmt nicht. Der Text, die Aussagen fühlen sich leer an. Ich glaube das nicht.»

Es gibt nichts an der inhaltlichen Aussage die darauf schliessen lässt, dass diese keinen «Sinn» oder unwahr sind. Ich finde der englische Terminus «something feels off» beschreibt dieses Phänomen ganz gut: An der Oberfläche betrachtet ist es stimmig, doch was fehlt is Resonanz. Resonanz nicht im Sinne von «ich bin einverstanden» sondern ganz wörtlich verstanden als «Mitschwingen oder Mittönen eines Körpers mit einem anderen».

Texte und gesprochene Sprache verstehe ich als Körper, als eigenständige Entität die sich herausbildet, wenn ein Mensch kommuniziert durch Sprache. Sei es schriftlich oder mündlich. Sprache ist das dritte Objekt das zwischen zwei oder mehreren Menschen in Beziehung tritt. Wir wissen alle, dass die Art, wie Sprache genutzt wird nie neutral ist. Aber selbst, wenn wir eine Bedeutungs-Neutralität erzeugen wie dies wissenschaftliche Texte versuchen – gibt es mindestens drei Entitäten die denselben Raum betreten: Die den Text verfassende Person, der Text und die Text lesende Person. Sprache als Resonanzkörper zu begreifen bedeutet, dass Resonanz erzeugt wird durch Energie, welche den Sprachkörper zum Schwingen bringt. Wird keine Energie durch Sprache transportiert sind das leere Worte. Und wir als Individuen – die alle einen eigenen Resonanzkörper besitzen der Energie empfängt und abgibt – spüren das. Körperlich. Seelisch.

Sprache ist IMMER Kommunikation, aber wenn diese Kommunikation «leer» ist, dann fühlt man die Abwesenheit von Energie. Es ist als stehst Du vor dem Haus oder sitzt jemand gegenüber, aber niemand ist zuhause, niemand ist da. Und das – als Menschen für welche (ver-)Bindung und Beziehung eines der zentralen und lebensnotwendigen Bedürfnisse ist – lässt uns früher oder später am langen Arm verhungern.

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