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Wenn das Meer wütet ist es gut einen Anker zu haben

Wenn du drohst vom Meer der Ereignisse da draussen weggeschwemmt zu werden, dann brauchst Du einen Referenzpunkt. Nicht im Aussen. In dir.

Ein These zu Coping-Strategien in Zeiten der Veränderung:

Wenn sich die Dinge im Aussen ändern, wenn sich die Konditionen die unser Leben beeinflussen beginnen zu verändern, dann gibt es mehrere Möglichkeiten damit umzugehen. Auf vier Varianten möchte ich im Besonderen eingehen. Sie sind aus meiner Perspektive die Hauptursache, der Grund weshalb wir uns als Individuum und als Kollektiv mit Veränderung so schwer tun. Insbesondere wenn wir unbewusst davon gesteuert werden wirken diese vier Strategien destabilisierend und entmachtend. Sie sorgen dafür, dass wir an Verhalten festhalten, die uns kurzfristig Sicherheit versprechen, eine Sicherheit, die es jedoch nie gab.

Strategie 1 - Aktive Unterwerfung
Du tust so als wäre alles wie bisher, du musst dich nur noch ein bisschen mehr anpassen, ein bisschen an diesem Schräubchen drehen, den Gürtel ein bisschen enger schnallen, ein bisschen schneller reagieren, eine Prise Optimismus obendrauf – weil – das geht sicher schnell wieder vorbei, das kann ja nicht ewig dauern – irgendwann kommt der erlösende Entscheid der Regierung, deiner Partnerin, deinem Chef oder deinem Arzt. In der Traumapsychologie nennt sich diese Überlebensstrategie «FAWNING». Symptom: People pleasing, Überanpassung, Fragmentierung. Ursache: Angst vor Ablehnung, Scham

Strategie 2 – Aktive oder passive Empörung
Du verteidigst auf Teufel komm raus die bisherigen Errungenschaften in deinem Leben: Deinen Status, deinen Besitz, deine bisherigen Vorgehensweisen, dein Bild von Dir selbst. Du willst auf Biegen und Brechen deine bisherige Denkweise beibehalten und die bisherige Vorgehensweise weiterführen – koste es was es wolle. Es wird ein paar Damenopfer geben aber das ist der Preis, wenn eigenes Territorium angegriffen wird. Diese Strategie ist eine Kriegsstrategie und findet in der Traumapsychologie als Überlebensstrategie «FIGHT» ihr pendant. Symptom: Sturheit, Verbissenheit, Kontrolle, Stolz, Hochmut. Ursache: Angst vor Kontrollverlust, Angst nicht gesehen zu werden, Zorn, Scham

Strategie 3 – Passive Vermeidung
Du ignorierst die Tatsache dass sich Bedürfnisse, Menschen, das Spielfeld am Verändern sind. Weil wenn du die Augen schliesst, dann gibt es kein Problem, richtig? Das ist Angst die nicht angeschaut werden kann, weil man sich der Situation ausgeliefert fühlt und nichts anderes mehr tun kann als sich tot stellen. Man fühlt sich als Opfer der Umstände das nichts anderes tun kann als alles Lebendige in sich abzustellen um nichts zu fühlen wenn man von den Ereignissen verschlungen wird. Das ist in der Traumapsychologie die Überlebensstrategie von jemand, der sich an Leib und Seele bedroht fühlt und in Todesangst steckt. Es ist DIE Reaktion, die auf extremste traumatische Erfahrungen erfolgt und wird in der Traumapsychologie «FREEZE» genannt. Symptom: Stillstand, Trägheit, unsichtbar sein, Neid. Ursache: Angst vor Verantwortung, Angst vor Macht, Todesangst, Existenzangst, Angst zu fühlen

Strategie 4 – Aktive Umgehung
Du lenkst deinen Fokus ausschliesslich auf das, was dir ein angenehmes Gefühl beschert in Form von Dopamin-Rushs. Das findest du in communities die nur positiv denken (oder alles reframen), in perfekt gestalteten Umgebungen, da, wo sich kultiviert unterhalten wird und philosophisch über das Leben nachgedacht. In Wellness-Arrangements die als «zu dir zurückfinden-Wochenende» betitelt werden. In gemeinsamen Ritualen die dir das Gefühl geben dass alles in Ordnung ist. An Orten, wo Unsicherheit mit Oberflächlichkeit kaschiert wird. Und je schlimmer und schneller die Veränderung, der Umbruch da draussen, desto mehr flüchtest du in deine heile Welt, in der alles in Ordnung ist. Du lenkst dich ab mit Geschäftigkeit, mit Terminen, Aktivitäten und Plänen, so dass du nicht fühlen musst wie es dir wirklich geht. In der Traumapsychologie ist das der «FLIGHT»-Response. Der Reflex zu flüchten weil man dem nicht gewachsen ist. Weil man sich unterlegen fühlt. Symptom: Beschäftigung, Geschäftigkeit, immer etwas am Tun. Gier. Ursache: Angst zu fühlen, Angst verletzt zu werden, Verlustangst, Nicht genug sein

Alle hier beschriebenen Copingstrategien sind Überlebensstrategien die zum Zug kommen, wenn man sich an Leib und Leben bedroht und sich unfähig fühlt einer Situation zu entkommen. Es ist eine zutiefst existenzbedrohende Erfahrung die sich tief in unser Nervensystem einbrennt. Die Ursache dafür liegt nicht im Jetzt. Doch ändern können wir es nur im Jetzt. Es beginnt mit einer bewussten Entscheidung den zugrundeliegenden Ängsten zu begegnen anstatt sie zu umgehen, zu vermeiden, zu bekämpfen oder diese zu unterdrücken.

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Kommentare: 2
  • #1

    Meidönneli (Montag, 23 März 2026 12:41)

    Auf den Punkt gebracht.
    Schreibst du auch einen Artikle wie man aus den Strategien raus kommt?

  • #2

    Esmeralda (Montag, 23 März 2026 14:34)

    Hallo Meidönneli, Danke für dein Feedback und deine Frage. Ich habe bereits drei Artikel verfasst welche Aspekte dieser Thematik beleuchten: "Kein Loslassen ohne Zulassen", "Der grösste Incentive 2026: Raum" und "Der Hund der nicht folgt". Und es wird weitere Artikel dazu geben ...