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Wir sind am Kipppunkt der Menschheit

Ein Zitat des Ökonomen Peter Drucker, das mir 2020 beim Lesen des Buches «Essentialismus – Die konsequente Suche nach Weniger» von Greg McKeown sofort ins Auge stach und seitdem in meinem Hinterkopf stecken blieb, ist:

 

«In einigen Jahrhunderten, wenn die Geschichte unserer Zeit aus historischer Perspektive geschrieben werden wird, werden die wichtigsten Ereignisse für die Historiker wahrscheinlich nicht die Technologie, nicht das Internet und nicht der E-Commerce sein. Es wird ein nie zuvor dagewesener Wandel der Bedingungen der menschlichen Existenz sein. Buchstäblich zum ersten Mal hat eine beträchtliche und schnell wachsende Zahl von Menschen Wahlmöglichkeiten. Zum ersten Mal werden sie sich selber verwalten müssen. Und darauf ist die Gesellschaft ganz und gar nicht vorbereitet.»
Sein Blick in die Zukunft widerspiegelt für mich den Punkt, an dem wir uns als Menschen und als Gesellschaft gerade befinden. Nämlich an einem Kipppunkt, wo uns die Auswirkungen patriarchal-hierarchischer Machtstrukturen so dermassen vor den Latz geknallt werden, dass wir sehr, sehr bald gar nicht mehr die Wahl haben, ob wir in unsere Selbstermächtigung kommen.
Jetzt wird klar:
  • Wie abhängig wir uns von den Ressourcen anderer Länder gemacht haben
  • Was es mit der Intelligenz der Generation Alpha macht, wenn KI für sie denkt
  • Wie Führungskräfte und Fachkräfte gleichermassen von hierarchischen Unternehmensstrukturen ausgebremst, ausgebrannt und ihrer Mitbestimmung beraubt werden
  • Was es für jeden Einzelnen bedeutet, wenn sich sein Leben nur noch um das Funktionieren dreht, um in einem System zu überleben, das mehr nimmt, als es gibt
  • Was mit Unternehmen passiert, die nur mitschwimmen, anstatt selbst disruptiv zu sein
  • Was es bedeutet, wenn wir die Verantwortung und Entscheidungsgewalt komplett nach aussen abgeben
Dann wird klar, dass es nicht mehr funktioniert, die Verantwortung und Entscheidungsgewalt komplett nach aussen abzugeben; zu vertrauen, dass der Staat, die Medien und die Absicht der Führungsspitzen von Unternehmen momentan nur ein Ziel verfolgen: Überleben um jeden Preis mit taktischen Strategien, die in der Vergangenheit gut funktioniert haben, heute jedoch obsolet geworden sind.
Dann wird klar, dass es spätestens jetzt an der Zeit ist, die eigene Beziehung und den eigenen Schmerz, der in der eigenen Biografie einst ein Gefühl von Ohnmacht erzeugt hat, bewusst zu reflektieren und ins individuelle und kollektive Bewusstsein zu holen. Und zwar indem endlich offen über Machtstrukturen diskutiert wird. Dass zusammen entdeckt wird, was es bedeutet, Selbstverantwortung zu übernehmen – für die eigene Gesundheit, das eigene Leben, die eigenen Bedürfnisse. Einen offenen Dialog darüber zu führen, was Resilienz für Unternehmen bedeutet, damit sie weiterhin auf dem Markt bestehen können.
Denn wer jetzt nicht sieht, dass die Reproduktion von alten hierarchischen Strukturen und das Abhängigmachen von grossen «Lieferanten», von politischen Entscheiden und wirtschaftlichen Entwicklungen Unternehmen nicht das Überleben sichern wird, sondern sie höchst abhängig macht von «Entscheidungen» und «Akteuren» im Aussen, der wird 2026 nicht überleben.
Und ich stimme Peter Druckers Einschätzung zu: «Darauf ist die Gesellschaft ganz und gar nicht vorbereitet.»

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